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WIE EINE TRÄNE IM OZEAN

In einer sehr nahen Zukunft.
LUDWIGS Lebensgefühl ist nach langer Talfahrt auf dem Tiefpunkt angelangt. Seinen Polizeijob hat er vor einigen Jahren durch eigenes verschulden verloren, sein jetziger Beruf als privater Sicherheitsdienstler ist dumpf und deprimierend. Er sieht nur noch Elend und Abschaum, alles Schöne scheint aus seiner jämmerlichen Existenz gewichen zu sein.träne-11Während eines gewöhnlichen, einsamen Bar Besuches lernt er eines Tages NORA kennen, eine lebenshungrige Frau, die es schafft, LUDWIG aus seinem Selbstmitleidssumpf zu ziehen. Sie gibt ihm Zuversicht und Leichtigkeit zurück, das Leben ist wieder lebenswert.
Doch alles ändert sich wieder schlagartig, als NORA auf offener Straße von Unbekannten angegriffen wird. LUDWIG wird bei dem Versuch, sie zu beschützen, krankenhausreif geschlagen. Während seines Aufenthalts im Krankenhaus und noch einige Wochen danach hört er nichts mehr von NORA.träne-01träne-02Er ist wütend und deprimiert, glaubt sie verloren zu haben.
Eines Tages taucht sie zu LUDWIGS übergroßer Freude und Überraschung wieder auf. In der Nacht, die sie zusammen verbringen, weckt sie ihn plötzlich in großer Hektik aus dem Schlaf- ohne ein Wort der Erklärung ihrerseits fliehen sie aus LUDWIGS Wohnung. Unten im Hof lauern ihnen zwei Gestalten auf, NORA überlegt nicht lange zieht eine Waffe und schießt…
Das Paar flüchtet sich in ein leeres Haus. Dort gewinnt LUDWIG seine Fassung halbwegs zurück und verlangt eine Erklärung. Doch NORA weicht nur aus. Als er sie daraufhin entnervt bei den Schultern packen und schütteln will, schlägt sie ihn reflexhaft bewusstlos.träne-03LUDWIG erwacht und stellt fest, dass NORA wieder verschwunden ist. Er fühlt sich hilflos, er liebt sie, doch er weiß nicht das geringste von ihr. Beinahe schon vor der eigenen Haustür angekommen stellt er fest, dass seine Wohnung observiert wird. Misstrauisch verkriecht er sich zunächst in einem billigen Hotel. Dann ruft er einen Kollegen beim Security-Service an und von ihm erfährt er die Neuigkeit, die ihn wie ein Schlag trifft: LUDWIGS Name steht auf der Fahndungsliste, die den Mord an zwei Polizisten betrifft. Die Beamten waren einem Plutonium-Deal auf der Spur.träne-04träne-05aträne-05bträne-05cLUDWIG bekommt es mit der Angst zu tun. Er verlässt das Hotel um sich eine Waffe zu besorgen. Bei seiner Rückkehr wird er bereits erwartet…LUDWIG muss abermals fliehen, wobei es zu einer Schießerei kommt.
Die Flucht gelingt und er fährt zu einem Ferienhaus am Strand, wo er mit NORA in der kurzen Zeit des Glücks einmal ein paar schöne Tage verbracht hatten. Dort, hofft er, wird er sie wieder finden. Doch als er es erreicht, beobachtet er eine Gruppe von Männern, die aus dem Haus kommen und unter denen er diejenigen erkennt, die ihn vor einigen Wochen zusammenschlugen.träne-06träne-07träne-08Nachdem sich die Gruppe entfernt hat betritt LUDWIG das Haus…und findet NORA vergewaltigt und unter Drogen gesetzt in einem verwüsteten Zimmer vor. Um sie herum liegen eine Unmenge von Geldscheinen verstreut, irgendwo dazwischen ein kleines Gerät.
LUDWIG, der vollkommen unter Schock steht, hebt wie in Trance auf: Es ist ein Geigezähler, und als er ihn anstellt beginnt er in hoher Frequenz zu knistern…Offenbar ist hier alles verstrahlt.träne-09

Einige Stunden, die sich zu einer Ewigkeit dehnen, sitzt LUDWIG nur da… dann nimmt er einen Teil des Geldes, stopft es in einen herumliegenden Koffer, küsst NORA ein letzte mal und erschießt sie. Dann ruft er die Polizei an, legt im Haus Feuer und verlässt es. Es lodert wie eine Fackel in der Dämmerung, als er über den Strand geht. Schüsse treffen ihn, LUDWIG strauchelt, geht aber weiter und sackt schließlich zusammen. Der Koffer fällt und klappt auf. Das Geld fliegt durch den Wind getragen aus dem Koffer. Nun tauchen die Männer der Gruppe auf, sie hatten ihn gewartet. Die nahenden Sirenen stören die Gruppe, sie versuchen zu türmen. Schüsse fallen, Möwen schreien, Polizisten schreien ihn an, er soll die Waffe fallen lassen. LUDWIG grinst die Beamten an die ihn umringen, denn hier bei der Brandung scheint die Welt in Ordnung zu sein, und ihre entsetzten Gesichter sind wirklich urkomisch, als sie den Geigezähler sehen, der aus dem Koffer gepurzelt ist und auf dem Sand vor sich hin knisterte.

(…)

Als ich die Story begann, war nicht nur die deutsche Comic-Szene auf dem Tiefpunkt angelangt, sondern auch die Lithografen, Fotographen und noch ein Haufen anderer aus der kreativen Szene. Es war eine traurige Zeit. Jeder musste schauen wie er mit dem Arsch an die Wand kommt, die guten, großartigen achtziger waren vorbei. In dieser Zeit begann ich im Herbst 1991 in der HTK (Hamburger Technische Kunstschule) mit 4 Stunden die Woche zu unterrichten. Hätte nie gedacht, dass dieses mein längster Job wird, den ich jemals gemacht habe. Als mein alter Studienfreund, aus den Siebzigern JENS EILTS (Schulleiter der HTK) mich um ein Treffen bat, hab ich natürlich zugesagt, nach all den Jahren, wo wir uns nicht gesehen hatten.
Als er mir dann das Angebot machte, lehnte ich vehement ab, da ich mir nicht vorstellen konnte diesen Job zu machen. BIRGER THORIN GRAVE, als Lehrer, in Erinnerung an meinen Klassenlehrer, dass ging gar nicht. Nach Stunden in diesem „Pow Wow“ und der Überredungskunst von JENS, war ich bereit, dieses neue Abenteuer einzugehen. Bis Heute habe ich es nicht bereut.