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-DIE TIGERKRALLE-

Es ist immer wieder wunderbar, seine alten Zeichnungen wieder zu entdecken. Dann noch, die
Synopsis von seinem alten Freund RAFAEL zu lesen und wieder dieses alte Grundgefühl jetzt noch
mal zu ERLEBEN…EINFACH GROSSARTIG…auch wenn´s nur 3 Zeichnungen sind…

-DIE TIGERKRALLE-

RABENSCHWARZE
HORROR-THRILLER-KOMÖDIE
Von RAFAEL SOLÁ FERRER

Die KAMERA fährt langsam über grauen PVC-Boden. Sie fokussiert ein Stahlrohrbein auf Rollen
und fährt daran hoch. Sie streicht weiter über die Bettdecke, unter der jemand liegt, bis zum Kopfende.
Dort, wo eigentlich der Kopf unter der Bettdecke herausschauen sollte, liegt nur ein Kissen.
Und auf dem Kissen schlummert eine getigerte Katze.

Plötzlich spitzt die Katze ihre Ohren. Ihre Augen starren in Richtung Kamera. Die Katze springt vom
Kissen und läuft aus dem Zimmer. Neugierig starrt sie den langen Krankenhausflur hinunter.
Dann streicht sie schnell den menschenleeren Gang entlang.

Sie läuft einige Treppen hinunter und bleibt abrupt vor einer großen Schwingtür stehen. Plötzlich sträuben sich ihre Nackenhaare. Nach einem gefährlichen Fauchen schießt sie davon. Kaum ist sie weg, wird
die Schwingtür aufgestoßen. Ein Notarzt und sein Team schieben eine Trage hinein.
Auf der Trage liegt, von einem blutdurchtränkten Laken bedeckt, ein toter Mann. Die Notärzte
unterhalten sich aufgeregt. Der Mann auf der Trage ist ein Massenmörder.
Nach einer wilden Jagd gelang es der Polizei, ihn zu stellen. Er wurde von Kugeln durchsiebt,
als er sich auf die Beamten stürzte.

Die Trage wird in die Pathologie geschoben. Ein herbeieilender Arzt will einen Blick riskieren, doch
der Notarzt hat genaue Anweisungen: Keiner darf den Mann anrühren, bevor nicht der Professor da ist.
Eine Schwester eilt hektisch davon. Sie will den Professor und seinen Stab benachrichtigen.

Die KAMERA fährt auf das blutige Laken zu.

Eine Hand zupft einige Haare von einem Kopfkissen. Die KAMERA zieht auf.
Wir sind in dem Krankenzimmer von der Eingangsszene.
Der dicke Kommissar FREITAG und sein etwas linkischer Assistent, der junge ODYSSEUS,
stehen am Bett. Der Kommissar stellt irritiert fest, dass es sich
um Katzenhaare handelt. Die anwesende Schwester hat dafür keine Erklärung.
Es gibt keine Katzen im Krankenhaus. Hygienevorschrift.
FREITAG zuckt mit den Schultern und nimmt das Kissen vom Bett. Wir sehen den Kopf einer alten
Frau. Sie wurde mit dem Kissen erstickt. Vermutlich von ihrer siebzigjährigen Zimmergenossin.
Die Schwester erzählt, dass diese sich immer über das Schnarchen der Nachbarin geärgert hätte.
Nach der Tat ist die Mörderin – inklusive rollender Infusionsflasche – spurlos verschwunden. Allerdings
muss sie noch im Gebäude sein, denn draußen tobt seit einigen Stunden ein schwerer Sturm.

Ein banaler Fall für Kommissar FREITAG. Ein Fall, den er getrost seinem Assistenten ODYSSEUS überlassen kann. Wird ja wohl nicht zu schwer sein die Alte zu finden. Mit wenig Begeisterung
beginnt ODYSSEUS eine Suche, die für ihn -nomen est omen- zur wahren Schreckens-Odyssee wird.

Professor CANIS steht mit seinem engsten Stab um den toten Massenmörder. Mit den Worten,
das sie jetzt Zeugen eines einmaligen chirurgischen Wunders würden, zieht er das Laken herunter.
Der erste Blick ist enttäuschend. Wir sehen in das Gesicht eines etwas verhärmten Mannes.
Doch dann legt CANIS seinen rechten Arm frei. Dort, wo normalerweise eine Hand zu finden ist,
sehen wir eine TIGERKRALLE. Eine echte TIGERKRALLE! Mit ihr zerfleischte der Mörder seine Opfer.
Die Herren Doktoren sind begeistert. Sie stehen vor einem Rätsel. Wie ist es gelungen, eine
TIGERKRALLE einem Menschen zu transplantieren? Noch dazu eine, die voll funktionsfähig ist?
Der Professor will bei einer Autopsie das Rätsel ergründen. Leider muss er, sehr zu seinem
Leidwesen, bis zum nächsten Tag damit warten. Ihm wird mitgeteilt, dass Professor ROTHENBERG,
eine Koryphäe auf dem Gebiet der Transplantation, persönlich die Autopsie leiten will.
Ausgerechnet Prof. ROTHENBERG, Prof. CANIS Erzrivale! Seit Jahren schon tobt zwischen beiden
ein unerbittlicher Kampf um den Thron im Transplantations-Götter-Himmel.
Bisher war Prof. ROTHENBERG erfolgreicher.

ODYSSEUS lernt in dieser Nacht ein Krankenhaus von innen kennen. Während e durch das labyrinthartige Gebäude die entflohene Seniorenmörderin mit ihrem rollenden Infusionsgerät jagt,
hat er einige seltsame Begegnungen. Darunter allerdings auch eine sehr angenehme.
Sein Zusammentreffen mit der üppigen Krankenschwester MELANIE bringt sein Herz in Wallung.
MELANIE ist zwar nicht das, was man als Intelligenzbestie bezeichnen würde, hat aber dafür
ein großes Herz, viel Humor und eine erschlagene Weiblichkeit.

Während seines herzerfrischenden Intermezzos sehen wir (Close), wie die Tigerkralle von
der Hand des Massenmörders chirurgisch entfernt wird.

Der nächste Tag. Der Sturm tobt immer heftiger. Der OP ist gerichtet. Die Professoren CANIS, ROTHENBERG und einige Doktoren betreten erwartungsvoll den Saal, um das große Rätsel zu lösen.
Doch zu ihrem Entsetzen müssen sie feststellen, dass ihnen jemand zuvor gekommen ist.
Die TIGERKRALLE ist verschwunden.
Aber nicht nur das. Ein Patient, der seit Monaten im Koma liegt, ist wie vom Erdboden verschluckt.
Nur seine abgetrennte hand blieb zurück. Und dann macht eine Schwester eine grauenvolle Entdeckung: Einem Patienten wurde die Kehle zerrissen. Die Spuren deuten auf eine Raubtierkralle.

Einige Ärzte wollen sofort die Polizei benachrichtigen, doch die beiden Professoren halten sie ab.
Jemand geistert mit der TIGERKRALLE durch das Krankenhaus- und diesen Jemand müssen sie,
im Namen der Wissenschaft, bekommen. Studien am lebenden Objekt!
Wann ergibt sich je wieder so eine Chance?!

Der Horror nimmt seinen Lauf.

Durch MELANIE erfährt ODYSSEUS von dem Mord und der verschwundenen TIGERKRALLE.
ODYSSEUS sieht endlich die Zeit gekommen, sein Format zu beweisen, außerdem will er
MELANIE imponieren. Statt FREITAG zu alarmieren, beschließt er, den Fall im Alleingang zu lösen.

Während ODYSSEUS, von MELANIE unterstützt, Jagd auf die TIGERKRALLE macht, geschehen weitere Morde im Krankenhaus. Die Angst geht um, aber die besessenen Professoren, ebenfalls auf
der Suche nach der TIGERKRALLE, haben das verängstigte Personal zu Stillschweigen verdonnert.
Die Ermordeten werden kurzerhand als Patienten deklariert, die ihren Krankheiten erlegen sind.

In ODYSSEUS wächst, je länger er sich im Krankenhaus aufhält, ein immer größeres Unbehagen.
Ärzte und Patienten benehmen sich alle mehr als merkwürdig. Einzig MELANIE ist die
Insel der Glückseligkeit.
Mit ihrer erfrischenden Naivität schafft sie es, ihn immer wieder aufzuheitern. Und sie ist es auch,
auf eine grandiose Idee bringt. Für die TIGERKRALLE braucht man einen Spezialisten. Und ODYSSEUS kennt einen: seinen Freund OSKAR. Der tollkühne Zoowärter ist ein Fachmann, was Raubtiere betrifft, und das nicht nur praktisch. OSKAR ist auch bestens mit den Legenden und der Mythologie der Tiger vertraut.

Während nun das Dream-Team ODYSSEUS und OSKAR zur ultimativen Jagd bläst, wird ein
besonderer Patient eingeliefert.

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Es ist Kommissar FREITAG. Er hat sich bei einem Sturz beide Beine gebrochen. Für ODYSSEUS
wird FREITAGs Handicap zu seinem eigenen Handicap, denn FREITAG kann nicht
ruhig im Bett liegen.

Einerseits will er wissen, was die Nachforschungen nach der alten Dame machen, andererseits
bekommt er direkt mit, dass in diesem Krankenhaus irgendetwas Seltsames vor sich geht.
Als er später auch noch im Rollstuhl mobiler wird, wird er zum allgegenwärtigen Störenfried auf den Fluren.

Trotz des heftigen Sturms verlassen einige Angestellte das Krankenhaus. Patienten werden nicht
mehr angenommen. Jäger und Gejagte wandeln durch die sterilen Flure, deren Oberlichter durch
sturmbedingte Stromausfälle flackern.

Prof. CANIS und Prof. ROTHENBERG suchen gemeinsam und auch getrennt nach der
TIGERKRALLE. Dabei verpassen sie keine Gelegenheit, den geschätzten Kollegen zu blamieren.

Kommissar FREITAG irrt, mit Pistole und Taschenlampe bewaffnet, in seinem Rollstuhl
durch das Krankenhaus.

Versehentlich stößt er dabei auf die tote Seniorenmörderin. Sie starb an Herzversagen.
Und auch FREITAGs Herz gerät heftig in Wallung. Als er sichgerade in einem Labor befindet,
gehen die Oberlichter aus. Er hört ein schreckliches Fauchen und spürt, dass ihn etwas umschleicht.
Doch FREITAG ist ein tougher Cop.
Er lässt sich nicht so leicht einschüchtern. Gnadenlos schießt er sein Magazin leer.
Das Licht geht wieder an. FREITAG sitzt mitten in einem zerschossenen Labor. Im Hintergrund
sehen wir die getigerte Katze verschreckt das Weite suchen.

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ODYSSEUS lernt inzwischen mit OSKARs Hilfe jede Menge über Tiger. Seine Lehrstunden und
seine emsige Jagd nach der TIGERKRALLE werden nur einmal krass unterbrochen. In der Prothesenkammer des Krankenhauses gehen sich ODYSSEUS und MELANIE, zwischen allerlei
seltsamen Prothesen, der körperlichen Liebe hin.

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Nach einigen weiteren Morden gelingt es schließlich ODYSSEUS und OSKAR,
der TIGERKRALLE eine Falle zu stellen.
Auf dem Dach des Krankenhauses, im strömenden Regen, stellen sie die TIGERKRALLE.
Sie war tatsächlich dem Komapatienten transplantiert worden. Die Seele des
Raubtieres machte ihn zu einem willenlosen Killer.

Hinter dem Ganzen steckt Prof. CANIS. Seit langem schon hatte er heimlich Experimente im Bereich
der Transplantation gemacht. Dass die Kralle allerdings solche Auswirkungen auf den Träger haben würde (sie hat einen Komapatienten wiedererweckt), hatte er nicht geahnt.

Ende gut, alles gut? Nein. Die Kralle ist beim Kampf auf dem Dach abgetrennt worden und in die Tiefe gefallen. Die Suche nach ihr endet ergebnislos.

Schlussszene

Die getigerte Katze läuft durch die verregnete Nacht, in ihrem Maul die TIGERKRALLE. Die Katze scharrt eine Grube im Garten des Krankenhauses und begräbt die Kralle. Kaum ist die Katze weg, sehen wir, wie sich das aufgeschüttete Erdreich bewegt.

ENDE

© 2001 RAFAEL SOLÁ FERRER